So

27

Nov

2011

Zurück in Orán

Zwei Wochen bin ich nun schon wieder in Orán aktiv. Die Woche bei der Mikrokreditorganisation „Protagonizar“ in San Miguel / Buenos Aires war sehr interessant und lehrreich (ein paar Fotos stehen im Fotobereich bereit). Ich war beeindruckt von der Professionalität mit der die MitarbeiterInnen ihre Arbeit verrichten. Gut, die Organisation hat auch bereits 12 Jahre Erfahrung und mittlerweile 4 Zweigstellen, dagegen steckt unser kleines Programm in Orán noch quasi in den Kinderschuhen. Nichtsdestotrotz hab ich so einige Methoden kennengelernt, mit denen wir unsere Arbeit effizienter und effektiver gestalten könnten. Seit meiner Rückkehr nach Orán basteln Peter und ich schon fleißig daran.

 

Ein Beispiel: Wenn wir Anfragen für Préstamos erhalten, ist zu einzuschätzen, ob die betreffende Person wohl in der Lage sein wird, monatliche Raten zurückzuzahlen, oder ob man ihr vielleicht eine Donación geben muss. Bisher mussten wir diese Entscheidungen eher aus dem Bauch heraus treffen. Nun wenden wir eine Methode zur Analyse der ökonomischen Situation der jeweiligen Person an, mit deren Hilfe wir ziemlich genau einschätzen können, ob sie zahlungsfähig sein dürfte. So lässt es sich in Zukunft hoffentlich vermeiden, dass wir Préstamos und Kredite an Menschen vergeben, die zu einer Rückzahlung einfach nicht fähig sind. (Das heißt wie gesagt nicht, dass wir ihnen gar nicht helfen. In solchen Fällen ist bei dringendem Bedarf eine nichtzurückzuzahlende Donación möglich.) Damit wäre nicht nur uns und dem Projekt gedient, weil uns weniger Geld verloren geht, dass uns dann zur neuerlichen Vergabe von Préstamos fehlt. Auch betreffenden Personen wäre damit gedient. Denn für jemanden, der ein Préstamo in der Überzeugung aufnimmt, es wohl zurückzahlen zu können, ist es sicherlich eine deprimierende Erfahrung, feststellen zu müssen, dass er/sie es doch nicht kann und deshalb mit Schulden beladen bleibt.

 

Was meine Arbeit und die Arbeit von Eva und Peter im Hogar betrifft, wird sich unser Wochenablauf bald ändern. Denn ab dem 17.12. sind bis Ende Februar Sommerferien. Die Kinder und Jugendlichen, die Familien haben und diese auch besuchen dürfen, werden die Ferien bei ihnen verbringen. Für die Kinder, die im Hogar bleiben, brauchen wir in den Ferien wahrscheinlich keine Hausaufgabenbetreuung und Nachhilfe anbieten. Stattdessen wollen wir uns aber eine Art Ferienprogramm überlegen, damit den Kids nicht vor Langeweile das Dach auf den Kopf fällt.

Mit dem Schuljahr geht in Kürze auch unsere Workshop-Reihe mit den Jugendlichen zuende. (Fotos von einem der letzten Workshops und von einer Vorbereitungsrunde hab ich für euch hochgeladen.) Zum krönenden Abschluss machen wir mit den Jugendlichen am kommenden Sonntag einen Ausflug nach Aguas Calientes in unserer Nachbarprovinz Jujuy. Dort gibt es Möglichkeiten zum Angeln, zum Schwimmen, für Ballspiele etc. Wir müssen uns noch ein detaillierteres Programm überlegen. Für den Ausflug werde ich das erste Mal etwas von euren Spendengeldern einsetzen. Denen, die schon etwas gespendet haben, an dieser Stelle einen ganz herzlichen Dank!!

Um weitere Aktivitäten in der Ferienzeit finanzieren zu können, wäre ich euch für weitere Spenden sehr dankbar!

Auch für Weihnachtsgeschenke würde ich bzw. würden wir wahrscheinlich etwas einsetzen. Ein spezieller Fall betrifft vier der älteren Jungs: Wir haben es bei der Leitung des Hogar durchgeboxt, dass José, Diego, Vicente und Benjamin jetzt dreimal wöchentlich in einem Fußballverein mittrainieren dürfen. Ihnen würden wir gerne Fußballschuhe schenken.

 

Am Freitag gab es im Hogar mal wieder etwas zu feiern: Firmung. Peter und ich haben beide eine Firmpatenschaft übernommen. Mein Firmpatenkind heißt José, einer der Jungs mit denen ich immer Englisch mache und der jetzt auch bei den Fußballern dabei ist. (Fotos von der Firmung kommen in Kürze.)

 

Ansonsten war unser Wochenende vom Beginn der Adventszeit geprägt. Liturgisch gesehen beginnt der Erste Advent ja mit der Vorabendvesper am Samstagabend. Und nachdem Peter die als guter Priesteramtskandidat gebetet hatte, überkam es ihn: Er hat eine Lichterkette und Strohsterne aufgehängt, einen Adventskranz improvisiert (es fehlen noch 2 Kerzen ;-) und hat angefangen Weihnachtslieder zu singen. Also hat sich Eva entschieden, Weihnachtsplätzchen zu backen ... Und ich hab aus meinem riesigen Musikfundus auf meiner externen Festplatte WHITE CHRISTMAS, LET IT SNOW und weitere super zu unserem Wetter passende Weihnachtslieder beigesteuert ;-) Im Sinne des interkulturellen Austauschs haben wir aber auch ein bisschen was Argentinisches in diese Zeremonie eingestreut: Wir haben Matetee getrunken. Ein paar Fotos stehen schon online.

 

Euch allen eine gesegnete Adventszeit!

Hasta pronto!

 

Euer Sebastian

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